16. Juli 2018

Crenet-Jahreskonferenz: Digitalisierung verlangt variable Lösungen

„Zahlreiche deutsche Unternehmen haben erkannt, dass es sich bei der Digitalisierung nicht um einen Selbstzweck handelt“ – das war eine von mehreren Feststellungen von Hendrik Staiger, Vorstandsmitglied der BEOS AG und Vorstandsvorsitzender des crenet Deutschland e.V., in seiner Auftaktrede zur Jahreskonferenz 2018 des Corporate Real Estate Network (crenet).“ Die Immobilienbranche sei davon unmittelbar betroffen, denn beim Thema Industrie 4.0 vollziehe sich der Schritt von der Theorie zur Praxis innerhalb der von den Unternehmen genutzten Immobilien. Dadurch ändert sich nicht nur das Geschäftsmodell der Nutzer, sondern auch das der Vermieter.

Vertieft wurde dieses Thema in unterschiedlichen Vorträgen. In seinem Impulsvortrag „Intelligente Digitalisierung für zukunftsfähige Immobilien“ gewährte Asc. Prof. (FH) Dipl.-Ing. Christian Huber von der Fachhochschule Kufstein Tirol einen Einblick in die aktuelle Forschung und Lehre. Die Praxis beleuchtete Tanja Severin FRICS, Head of Transaction Management bei der Siemens AG Real Estate. Sie gab Antworten auf die Frage, welche Immobilien die Industrie wirklich braucht.

Johannes Nöldeke, Leiter Baumanagement bei BEOS, wagte einen Ausblick auf „Neubautypologien 4.0“. Sowohl Produktion als auch Logistik urbanisieren sich und rücken näher an den Endkunden heran – mit schnell wechselnden Anforderungen an die Flächen. Das spiegelt sich auch im eigenen Bestand wieder, wo „[…] ein starkes Interesse nach flexibel nutz- und aufteilbaren Lager-, Produktions- und Verwaltungsflächen“ zu beobachten ist. Seine These: Gebäude, die diese Anforderungen erfüllen sollen, müssen einfach, robust, wandelbar, modular und kostengünstig sein – dann sind sie auch ohne High-Tech smart, nachhaltig und wertbeständig.

Dem Thema Flexibilität widmete sich zudem ein Expertendialog. Es diskutierten nicht nur Vertreter großer Corporates wie Siemens und Osram auf dem Podium. Auch aus Publikum gab es zahlreiche Wortmeldungen, etwa von BMW-Vertretern. Dr. Karim Rochdi, Leiter Corporate Solutions bei BEOS, verdeutlichte im Rahmen des Panels, welche Vorteile ein professionelles Real Estate Management innerhalb von Sale-and-Rent-Back-Modellen gegenüber eigengenutzten Immobilien hat. Dieser Ansatz erlaubt schnellere Anpassungen an die komplexen Nutzungsformen, die die „Ära 4.0“ erfordert. Deutschland hat in diesem Bereich noch Nachholbedarf – befindet sich jedoch auf einem guten Weg. Dies wurde auch durch den Vortrag von Tanja Severin, Head of Transaction Management bei Siemens, deutlich: Der Konzern plant in den nächsten Jahren, seine unternehmenseigene Immobilienquote um rund 15 Prozent zu senken.