22. Mai 2019

Der Karlspark: Wo künstliche Intelligenz auf Bienenstock trifft

Bienen gelten als Biosensoren, da ihr Wohlergehen eng mit dem Zustand des Ökosystems verbunden ist. Nun soll mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) ihr Verhalten genauer studiert werden. Dafür hat das Start-up apic.ai ein KI-gestütztes Überwachungssystem für Bienenvölker entwickelt. Die Bienenstöcke, die unter anderem im Karlspark aufgestellt wurden, sind mit Kameras und Sensoren ausgerüstet. Diese erfassen nicht nur die Anzahl der Tiere beim Betreten und Verlassen des Bienenstocks, die generierten Bilddaten werden zugleich mittels intelligenter Software und neuronaler Netze ausgewertet. So lassen sich beispielsweise anhand der Menge der von den Bienen gesammelten Blütenpollen wichtige Rückschlüsse auf die Fülle der Pflanzenwelt in der Umgebung ziehen.

Jede Biene wird im Eingangsbereich „gescannt“ und ihre Daten werden mithilfe der intelligenten Software erfasst. Hier gewähren wir einen Einblick in das bunte Treiben
© Christoph Müller Fotografie

(Über-)Leben im Großstadtdschungel

Die erfassten Daten werden künftig in einem Online-Geoinformationssystem dargestellt. Dieses „Google Maps für die Pflanzenwelt“ dient als objektives, datenbasiertes Bewertungssystem und erlaubt Schlussfolgerungen für effektive Bepflanzungs- und Naturschutzmaßnahmen in Städten, um dem Bienensterben entgegenzuwirken. Zudem zeigt es eventuelle Gefährdungen durch Baumaßnahmen oder Umweltgifte auf und bietet die Möglichkeit, diesen aktiv zu begegnen. Die Arbeit des Start-ups apic.ai soll dadurch auch der Landwirtschaft zugutekommen: Anhand der gewonnenen Erkenntnisse kann beispielsweise der Anbau von Nutzpflanzen optimiert werden.

Der Karlspark als Innovationsort

Das Bienen-Projekt von apic.ai erhielt vor Kurzem eine Auszeichnung im Rahmen des Gründerwettbewerbs „Digitale Innovationen“ des BMWI. Außerdem wird das Projekt durch das Latitude49-Stipendium der Hoepfner Stiftung, von den Stadtwerken Ettlingen und der Baugenossenschaft Familienheim e.V. sowie dem CyberForum des Landes Baden-Württemberg gefördert. Im Karlspark unterstützt das dort ansässige Unternehmen AUNOVIS das Start-up bei seinem Projekt. BEOS hat neben einer monetären Starthilfe die für das Projekt benötigten Flächen sowie die erforderliche Infrastruktur und das Hosting zur Verfügung stellt. Die Förderung von Start-ups und innovativen Ideen hat im Karlspark Tradition. Davon profitiert neben apic.ai bereits die Apium Additive Technologies GmbH, die als weltweit erstes Unternehmen einen 3D-Drucker zur industriellen Nutzung von Hochleistungspolymeren entwickelt hat, mit dem unter anderem Knochenersatz gedruckt werden kann. Das ebenfalls im Karlspark ansässige und von BEOS unterstützte Start-up Ineratec hat für seine Mikroverfahrenstechnik, durch die riesige chemische Anlagen auf Miniaturformat verkleinert werden können, im vergangenen Jahr sogar den Deutschen Gründerpreis erhalten.

Das „Projektteam“: Andreas Fitting (AUNOVIS), Katharina Schmidt (apic.ai), Lena Fies (apic.ai), Till Meister (BEOS), Peter Klima (AUNOVIS), Frederic Tausch (apic.ai)
© Christoph Müller Fotografie